FREIE PLÄTZE: 2022 auf Anfrage

Thema Eingewöhnung

Warum Kinder eingewöhnt werden müssen

 

In meiner Zeit als Tagesmutter habe ich ab und an gemerkt, dass das Thema Eingewöhnung hinterfragt wird. Auch als Mutter zweier Söhne stellte ich mir anfangs die Frage warum muss ich so viel Zeit einplanen. Mir wurde damals gesagt, dass ich mindestens 2 Wochen einplanen muss. Das konnte ich erst gar nicht verstehen. Mein Kind ist doch ein offenes Kind, welches gerne auf andere Menschen zu geht und gerne mit anderen Kindern spielt – Ist das denn wirklich notwendig? JA!  Während der Eingewöhnung merkte ich schnell – Mein Kind braucht die Zeit und brauch auch mich als Bezugsperson dazu.

 

Der Wechsel in die Kindertagespflege ist für jedes Kind, egal wie taff und offen es wirkt, ein großer bedeutsamer Lebensabschnitt und muss behutsam vorbereitet und gestaltet werden. In diesem Abschnitt machen die meisten Kinder die erste Erfahrung mit einer regelmäßigen Trennung von ihrer Bezugsperson. Sie sind in einer völlig neuen Situation, in einer fremden Wohnung und zwischen fremden Kindern und Erwachsenen. Es wird vor neue Herausforderungen gestellt und muss große Anpassungsleistungen bewältigen. Nun muss sich der eigene kleine Schützling an die neue Situation, neue Rituale und Regeln, sowie die neue Umgebung und an die neuen Personen um sich herum anpassen. Zudem muss es lernen mit der täglichen, mehrstündige Trennung von seiner Bezugsperson zurechtzukommen. All das bedeutet hoher Stress für das Kind und muss behutsam mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen begleitet werden.

 

Geschieht dies nicht und die Wichtigkeit der Eingewöhnung wird nicht gesehen und fällt vielleicht sogar komplett weg, möchte ich Ihnen von den Ergebnissen eines Forschungsprojektes der Freien Universität Berlin berichten. Die Autoren Laewen, Andres und Hédervári-Heller (2015, S.20; 32-33) berichten davon, dass dieses Forschungsprojekt bereits in den 80er Jahren folgende Auswirkungen aufzeigten, welcher der fehlenden oder unangemessenen Eingewöhnung (in den ersten sieben Monaten nach Aufnahme des Kindes in die Einrichtung) zu Grunde liegen. Die Kinder:


- sind bis zu 3mal häufiger / länger krank
- zeigen häufiger ein ängstliches Verhalten, statt ein positives Anpassungsverhalten
- weisen nach 7 Monaten in der Betreuung deutliche Entwicklungsrückstände auf
- zeigen nach 6 Monaten Irritationen in ihrer Bindungsbeziehung zu ihren Müttern
  (Laewen 1989a).

 

Aufgrund dieses Forschungsprojektes begann die Entwicklung ein Eingewöhnungsmodell zu entwickeln, welches einen kindgerechten Eintritt in die Tagesbetreuung entwickelt und somit solch gravierende Auswirkungen verhindert.

Warum die Bezugsperson in der Eingewöhnung so wichtig ist

 

Die Tagespflege ist für die Kinder anfangs eine völlige fremde Umgebung und wirkt für viele sehr Befremdlich und Beängstigend – wären sie alleine. Versetzen wir uns mal in die Lage des Kindes. Wir kommen in eine völlig fremde Umgebung, haben die Menschen da noch nie gesehen und sollen jetzt hier bleiben? Alle schauen einen an und wollen was von einen.


Wir können kaum adäquat ja oder nein sagen und dann soll auch noch meine Bezugsperson weg gehen und mich hier allein lassen. Selbst diese Situation wirkt für uns Erwachsene noch oft sehr befremdlich und macht uns ein unwohles Gefühl. Wie geht es denn dann dem kleinem Kind, welches sich noch nicht richtig äußern kann und die große weite Welt bis jetzt immer nur mit Mama, Papa oder anderen nahestehenden Personen entdeckt hat. Die maximale Trennung war bis jetzt vielleicht mal 2h Stunden bei Oma, weil Mama und Papa mal essen gehen wollten. Und hier muss man wieder beachten – Oma war schon oft zu Besuch und hat quatsch mitgemacht oder das Kind schon einmal gefüttert, gewickelt. Hier ist schon ein Vertrauen entstanden und somit auch eine Sicherheit des Kindes. Und auch hier wird Mama oder Papa das Kind nicht gleich alleine da gelassen haben, sondern waren immer als sicherer Hafen dabei.


Und mit diesem Gefühl / Rückhalt der Bezugsperson sind die Kinder bereit die Welt zu entdecken. In einer befremdlichen Situation ist es umso wichtiger, dass die Bezugsperson genau das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit vermittelt, damit das Kind in unserem Fall bereit ist die Tagespflege zu entdecken. Erst dann wird es bereit sein die Räumlichkeiten, die Spielmöglichkeiten, andere Kinder und die Tagesmutter kennenzulernen. Es wird sich anfangs immer wieder rückversichern, immer wieder nach seiner Bezugsperson schauen und gar ängstlich in die Arme laufen. Aber genau das Gefühl zu merken, ich bin nicht alleine, ich habe meine wichtigste Person bei mir, welche mit mir das neue Abendteuer Tagespflege entdeckt - gibt dem Kind Sicherheit und das Vertrauen die Welt um sicher herum zu entdecken.

 

Zudem ist es wichtig auch mit den Eltern ein gutes Verhältnis aufzubauen und ihnen ein gutes Gefühl zu vermitteln. Schließlich vertrauen sie uns ihr Wertvollstes an – ihr Kind. Es geht nicht um Argumente – Nein, es geht letztendlich alleine um das Gefühl. Die Kinder sollen merken, dass sie gerne in die Tagespflege gebracht werden, sie der Tagesmutter vertrauen und sich über jeden Fortschritt bei ihr freuen. Kleine Kinder haben so feine Antennen. Sie merken sofort, wenn es Mama und Papa nicht gut geht und sie merken es, wenn sich ihre Bezugsperson wohlfühlt und somit auch Sicherheit vermittelt.

 

Somit ist es mir als Tagesmutter wichtig, dass Vertrauen von Ihnen zu gewinnen und ihnen die Wichtigkeit ihrer Anwesenheit in der Eingewöhnung verständlich zu machen, damit ihr Schützling einen guten Start in das neue Abendteuer “Tagespflege“ haben. Zudem möchte ich ihnen von Anfang an vermitteln, dass sie immer die Nummer eins ihres Kindes bleiben werden, unabhängig davon wie gerne ihr Kind in die Tagespflege kommt.

Mein Eingewöhnungskonzept

Schon als Mutter habe ich mich mit den Eingewöhnungsmodellen auseinander gesetzt und bevor ich meine Arbeit als Tagesmutter begann musste ich mir bewusst machen, nach welchen Modell ich arbeiten möchte. Ich entschied mich für das Berliner Modell und möchte Ihnen dieses Modell einmal Näher bringen. Zudem möchte Ihnen bewusst machen, dass es ein wichtiger Leitfaden ist, aber sehr individuell behandelt werden kann.


Das Berliner Modell ist in mehreren Phasen eingeteilt, welche ich Ihnen nun mit der Unterstützung der Autoren Laewen, Andres und Hédervári-Heller (2015, S43-47; 63-83) vorstellen möchte.

Information an die Eltern

Hier ist es das Ziel die Eltern über das Eingewöhnungsmodell und der voraussichtlichen Dauer und Mitarbeit der Bezugsperson aufzuklären. Es ist wichtig dies bei Zeiten zu machen, damit die Bezugspersonen die Eingewöhnung in ihren Alltag einplanen können und gegebenenfalls etwas umorganisieren können, um ihr Kind zu begleiten. Des Öfteren habe ich diese Information gleich im Erstgespräch, welches oft auch das Kennenlerngespräch ist, weitergegeben - welches einige Wochen vor dem Eingewöhnungsbeginn stattfand.

Im Erstgespräch lade ich auch gleich die Kinder mit ein, damit wir die Gelegenheit nutzen können uns alle gegenseitig kennenzulernen. In diesem Gespräch beantworte ich alle Fragen, erkläre den Sinn und den Ablauf der Eingewöhnung, stelle Fragen nach den Vorlieben des Kindes, dessen Schlafgewohnheiten oder Essverhalten und vieles mehr. Auch mir dürfen zahlreiche Fragen gestellt werden. Ich weiß selber wie befremdlich das Ganze ist, wenn man sein eigenes Kind in die Obhut einer eigentlich völlig fremden Person gibt. Und da können schon einmal sehr viele Fragen aufkomme.

Zudem ist es wichtig auch hier den Eltern schon deutlich zu machen, dass sie immer die Hauptperson bleiben werden, um eventuelle Trennungsängste zu mildern. Danach sage ich den Eltern meistens, dass sie noch einmal darüber schlafen sollen und sich in Ruhe für oder gegen eine Betreuung entscheiden können. Beide Parteien (die Bezugspersonen und auch ich als Tagesmutter) sollten die Zeit nutzen und sich hinterfragen – Passt die Vorstellung der Eltern / der Tagesmutter zu mir und dem Konzept? Kann ich das alles Vertreten und habe ich dabei ein gutes Gefühl? Oder sind unsere Ansichten so grundverschieden das es nicht passen würde? Auch das ist mal vorgekommen. Dann ist es wichtig ehrlich zueinander zu sein. Entscheidet man sich für einander kann man gemeinsam mit der nächsten Phase starten.

 

Dreitägige Grundphase

In dieser Phase kommt das Kind in Begleitung seiner Bezugsperson zu mir in die Tagespflege zum spielen. In den ersten drei Tagen findet kein Trennungsversuch statt und wir nutzen somit die Gelegenheit uns gegenseitig kennenzulernen. Das Kind lernt unter Anderen die Räumlichkeiten kennen, die Spielsachen, unsere Rituale und Abläufe. Vom ersten Tag an werden das Kind und dessen Bezugsperson ausdrücklich begrüßt und willkommen geheißen, denn schon hier wird das Kind eine freundliche Atmosphäre registrieren können.


Die Bezugsperson dient als „sicherer Hafen“ und verhält sich eher passiv. Ich biete der Bezugsperson eine eher stille Ecke des Raumes an, in welcher sie sich setzen kann. Das Kind soll jederzeit die Möglichkeit haben sich rückversichern zu können, während es sein Umfeld erkundet. Hierbei ist es besonders wichtig, dass es nicht dazu gedrängt wird sich zu entfernen und es akzeptiert wird, dass das Kind die Nähe zu der Bezugsperson sucht. Das Kind wird von ganz alleine damit anfangen sein Umfeld zu erkunden, wenn es sicher und bereit genug dazu fühlt. Die Bezugsperson soll sofort erreichbar sein und somit seine volle Aufmerksamkeit auf das Kind richten. Was aber nicht bedeutet, dass es mit dem Kind spielen soll, sondern bereit sein soll die Blicke zu erwidern, wenn das Kind sich vergewissern will ob es noch die Aufmerksamkeit seiner Bezugsperon hat oder es in Empfang nimmt wenn es zu ihm flüchtet.

Ich werde versuchen Kontakt mit dem Kind aufzunehmen und Spielangebote zu machen oder mich am Spiel des Kindes beteiligen. Dennoch werde ich nie dazu drängen und einen angemessenen Abstand wahren.


Zudem werde ich die Reaktion des Kindes in verschiedenen Situationen beobachten, sowie die Interaktion zwischen Kind und Bezugsperson. Denn ich werde nach Anhaltspunkten suchen, welche für eine kürzere oder längere Eingewöhnung sprechen, damit die Bezugsperon dies dann in ihren Alltag einplanen kann.

 

Am ersten Tag starten wir meistens mit einer Stunde. Hier bekommen die Bezugsperson und das Kind die Möglichkeit sich mit der Umgebung vertraut zu machen. Hier liegt das Augenmerk auf die Spiel- und Erkundungssituation.


Meine Aufgabe ist es auf Kontaktversuche des Kindes zu reagieren, es mit Spielangeboten zu locken und auf die Interaktion zwischen Kind und Bezugsperson zu achten. Zudem ist durch eine freundliche Unterhaltung mit der Bezugsperson ein Kennenlernen möglich und ich habe die Möglichkeit noch einiges über das Kind und seine Familie zu erfahren.

 

Am zweiten und dritten Tag kommen das Kind und dessen Bezugsperson wieder zum Spielen in unser Spielzimmer. Ich werde weiter Versuchen mich an das Kind anzunähern und dies weiterhin ohne Druck. An diesem Tag beginnen wir damit, dass die Bezugsperson das Kind wickelt und Nahrung bei uns anbietet. An diesen Situationen werde ich mich beteiligen indem ich alles zur Verfügung stelle und bereit lege.


Entscheidung über die Dauer der Eingewöhnung / Trennungsversuch

Hierbei ist zu beachten, sollte der vierte Tage und somit der erste Trennungsversuch auf ein Montag fallen, wird dieser Trennungsversuch auf den nächsten Tag verschoben. Somit kann der Tag noch einmal zur Stabilisierung genutzt werden und läuft genauso wie die vorherigen Tage ab.


Ist es aber kein Montag werden das Kind und ihre Bezugsperson gemeinsam zu uns in den Spielraum kommen. Nach wenigen Minuten, wenn sich das Kind von der Bezugsperson abgewannt hat oder in eine Spielsituation hineingefunden hat, kommt es zum ersten Trennungsversuch. Hierbei ist es besonders wichtig, dass sich die Bezugsperson aktiv von dem Kind verabschiedet und dann die Räumlichkeiten verlässt. Die Bezugsperson soll nicht mehr für das Kind ersichtlich sein, aber dennoch ganz nah sein um jederzeit zurück in den Spielraum zu kommen. Hierbei sind zwei Reaktionen denkbar:


Reaktion 1:  

Das Kind weint und protestiert, wendet sich in Richtung Tür oder verharrt  vielleicht in einer angespannten Körperhaltung und spielt / bewegt sich kaum noch. Zudem lässt es sich nur kurz oder vielleicht sogar gar nicht von mir trösten. Dann ist es meine Aufgabe die Bezugsperson zurück in den Raum zu holen. Und somit den Trennungsversuch abzubrechen.


Reaktion 2:    

Das Kind weint kurz und lässt sich von mir dauerhaft trösten oder spielt weiter wenn die Bezugsperson den Raum verlässt, bleibt weiterhin ansprechbar und ist an den Spielsachen und den anderen Kindern weiterhin interessiert – Dann ist eine Trennung von maximal 30 Minuten möglich.


Füttern und Wickeln wird an diesem Tag anfangs von der Bezugsperson angefangen und ich werde es übernehmen. Dazu wird Vorausgesetzt, dass das Kind damit einverstanden ist und die Bezugsperson weiterhin im Blickkontakt ist. Wehrt sich das Kind oder fängt mit weinen an, werde ich versuchen das Kind beispielsweise auf den Schoss der Bezugsperson zu füttern oder beim wickeln nur mit dem Kind sprechen, ihm Spielzeug reichen oder gegebenenfalls die Tätigkeit ganz an die Bezugsperon abgeben.


Nun kommt es zur Entscheidung ob eine kürzere oder längere Eingewöhnung eingeplant werden sollte.

Anzeichen für eine längere Eingewöhnung

  • Häufiger Blick- oder Körperkontakt zur Bezugsperson in den ersten Tagen, sowie nach Rückkehr eines Trennungsversuches
  • Das Kind ist eher zurückhaltet gegenüber mir und mehr auf seine Bezugsperon orientiert
  • Reaktion auf eine Trennung ist meistens wie in Reaktion 1 beschrieben

Anzeichen für eine kürzere Eingewöhnung 

  • Kind wirkte in den ersten Tagen schon selbstständig, aktiv und energisch
  • Klarer Versuch des Kindes selbst mit der Belastungssituation klar zu kommen, statt sich an die Bezugsperson zu wenden – Das Kind wollte in diesen Momenten eventuell auch kein Körperkontakt zur Bezugsperson
  • Wenige Blick- oder Körperkontakt zur Bezugsperson in den ersten Tagen, sowie nach Rückkehr eines Trennungsversuches
  • Kind zeigt kaum Widerstand bei Körperkontakt von mir
  • Kind interessiert sich bereits für seine Umgebung und Spielzeug
  • Reaktion auf eine Trennung ist meistens wie in Reaktion 2 beschrieben

 Stabilisierungsphase - kurze Eingewöhnungszeit

 

Auch hier ist zu beachten – ist der fünfte Tag ein Montag wird es auf einen Tag später verschoben und dient als Stabilisierung.

An diesem Tag ist es meine Aufgabe die Versorgung des Kindes Schritt für Schritt ganz zu übernehmen. Das bedeutet dass ich das Kind ab nun an füttern und wickeln werde. Bei der Versorgung des Kindes ist die Bezugsperson noch anwesend und im Blickfeld des Kindes, um dem Kind somit das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln und gegeben falls das Kind trösten zu können. Desweiteren werde ich nun vermehrt auf die Signale des Kindes reagieren und die Bezugsperson bleibt dabei passiv im Hintergrund. Aber auch hier gilt, werde ich abgelehnt und es wird mit weinen reagiert, darf die Bezugsperson dazu kommen.


Hat das Kind an dem vorhergehenden Tag nach der Trennung aktiv ins Spiel zurückgefunden oder sich gut von mir trösten lassen, kann eine Trennung von bis zu einer Stunde stattfinden. Auch hier verabschiedet sich die Bezugsperson aktiv mit einem kurzen, festen Abschiedsritual, um dem Kind die Trennung zu erleichtert. In dieser Phase ist es weiterhin wichtig, dass die Bezugsperson für mich erreichbar ist und sich in unmittelbarer Nähe aufhält, um innerhalb weniger Minuten in der Tagespflege zu sein, falls diese benötigt wird. Der Anruf geschieht im Falle, dass sich das Kind nicht von mir trösten lässt oder das Kind auf mich einen verstörten Eindruck macht.


Hat das Kind mit  kaum Stress reagiert und sich gegebenenfalls schnell von mir beruhigen lassen, kann heute schon versucht werden das Kind schlafen zu legen. Hier ist es meine Aufgabe begleitend da zu sein, um mehr über das Schlafritual des Kindes zu erfahren. Die Bezugsperson bleibt während des Schlafens mit in meiner Tagespflege. Diese Zeit nutze ich oft um die Tage etwas gemeinsam zu reflektieren, Fragen zu beantworten und eventuelle Ängste zu nehmen. Wacht das Kind auf, werde ich die Bezugsperson dabei begleiten das Kind aus dem Bett zu nehmen.


Am sechsten Tag übernehme ich das wickeln und füttern, während die Bezugsperson mehr Abstand wahrt. Zudem werde ich versuchen das Kind ins Bett zu bringen und es zusätzlich nach dem aufwachen aus dem Bett zu holen. Hierbei wird vorausgesetzt, dass das Kind sich ohne Beunruhigung vorher bei mir wickeln, füttern, an-/ausziehen ließ und es sich nach einer Trennung von mir beruhigen lies. Zudem soll es ersichtlich sein das es nach einer Trennung wieder aktiv in das Spiel gefunden hat.


Wenn das Kind in den vergangenen Tagen ausreichend Vertrauen aufgebaut hat, ist es nun nicht mehr notwendig, dass die Bezugsperson in der Tagespflege zur Verfügung steht. Man kann nun davon ausgehen das ich langsam eine Beziehung mit dem Kind aufgebaut habe.

Stabilisierungsphase - lange Eingewöhnungszeit

 

Kam das Kind noch nicht mit dem Trennungsversuch zurecht, wird erst am siebten Tag (vorausgesetzt es ist kein Montag) eine erneute Trennung  vorgenommen. Die Zeit wird genutzt um die Beziehung zwischen mir und dem Kind weiter aufzubauen – so das ein wickeln, füttern, an/ausziehen von mir, in Anwesenheit der Bezugsperson, vorgenommen werden kann. Ich werde weiterhin versuchen Kontakt- und Spielangebote zu machen. Reagiert das Kind bei einem erneuten Trennungsversuch mit Verstörung und lässt sich nach wie vor nicht von mir trösten, sollten die nächsten Tage dafür genutzt werden eine größere Sicherheit zu gewinnen. Es wird in der zweiten Woche somit von einem weiteren Trennungsversuch abgesehen.

 

Lässt sich das Kind aber in den Tagen bereits von mir wickeln, füttern und kommt mit den Trennungsversuchen besser zurecht und lässt sich von mir trösten, kann am neunten Tag der Versuch gestartet werden das Kind in Begleitung der Eltern schlafen zu legen. Ziel in der zweiten Woche wäre die teilweise Übernahme von Pflegesituationen durch mich und die Vorbereitung auf die Schlafsituation. Zudem sollte die Trennungszeit stufenweise erhöht werden.

 

Zeigt sich das Kind bei einer neuen Aktivität ängstlich oder stark verunsichert, sollte hier vorerst auf eine Erweiterung verzichtet werden. Der Verlauf richtet sich ganz nach dem Verhalten des Kindes und jeder auch so kleine Fortschritt ist ein Schritt zum Ziel. Dies muss ich mir in sehr schwierigen Situationen auch immer wieder bewusst machen, um es auch adäquat den Eltern rüber bringen zu können.

 

Verläuft am zehnten Tag die Trennungsphase ohne Probleme, lässt es sich von mir trösten, wickeln und füttern, spielt es aktiv und hat gegeben falls schon bei mir in der Tagespflege geschlafen, nutze ich den elften Tag zur Stabilisierung und somit geht die Eingewöhnung in die Schlussphase über.

 

Doch gibt es Eingewöhnungen die auch Ende der dritten Woche noch nicht abgeschlossen sind und das Kind noch nicht bereit ist ohne dessen Bezugsperson in der Tagespflege zu bleiben. Dann ist es an der Zeit für ein Gespräch.

Hier sollte geklärt werden ob die Bezugspersonen selbst bereit sind für diesen neuen Lebensabschnitt.  Jetzt ist es wichtig gemeinsam einen Plan zu entwickeln wie es weiter gehen soll. Ist es besser das Kind zu Hause zu lassen? Passen wir als Team nicht zusammen? Ist eine Pause sinnvoll? Nun heißt es reden, reden, reden. Oft habe ich gemerkt, dass es unbewusst die Sorgen der Eltern sind, die das Kind unsicher werden lassen. Und sich durch ein gutes Gespräch alles ändern kann. Ich habe Ihnen in diesen Fällen auch von meinen Ängsten damals in der eigenen Eingewöhnung berichtet und ich weiß 2 von 5 meiner Eingewöhnungen hatten genau dasselbe Problem. Die Bezugspersonen waren noch nicht bereit für eine Trennung und ein Gespräch kann einiges bewirken und bewusst machen.

Schlussphase

Nun kommen wir zu der letzten Phase. In dieser Phase ist die Beziehung zwischen dem Kind und mir gefestigt. Das Kind lässt sich von mir jederzeit trösten, kommt zu mir wenn etwas geschehen ist, ist an mich, den andere Kinder, unseren Regeln und Rituale und an den Tagesablauf gewöhnt, lässt sich von mir ins Bett bringen und spielt aktiv. Nun darf die Bezugsperson meine Tagespflege weiträumig verlassen. Aber dennoch ist es wichtig, dass den Eltern bewusst ist, dass sie für ca. zwei Wochen für Notfälle so erreichbar sein sollen, dass sie jederzeit vorbei kommen können. Dies kann geschehen wenn die Beziehung doch noch nicht so gefestigt ist, dass ich in einer für das Kind schwierigen Situation nicht trösten oder helfen kann. Und so muss ein schnelles zurückkommen der Bezugsperson ermöglicht werden.

 

Es wird aber weiterhin immer wieder zu Protesten oder gar weinen kommen, wenn sich die Bezugsperson verabschiedet. Das sage ich meinen Eltern auch gleich immer dazu, weil ich selbst weiß wie sehr das einen verunsichern kann. Aber das ist völlig unbedenklich, solange es sich innerhalb von wenigen Minuten von mir trösten lässt und dann in das Spiel hineinfindet.